• ForeRunner 310 XT versus ForeRunner XXX

    Seit Anfang August bin ich im Besitz eines FR 310 XT, eigentlich für mich etwas überdimensioniert, da ja die Zielgruppe eher bei den Triathleten zu finden sein soll, allerdings fühle ich mich mit Laufen und vermehrt Radfahren ja schon als Duathlet. Vor allem erschliesst sich mir nicht, für was der 310 XT beim Schwimmen gut sein soll, denn Herzfrequenz- und GPS-Empfang funktionieren unter Wasser nicht und nur für die Zeit tuts auch ne Stoppuhr ;)

    Der erste Aha-Effekt fand schon beim Anlegen ans Handgelenk statt, denn im Vergleich zum 305er legt der 310 XT sich viel angenehmer an schlanke Handgelenke, da er nicht mehr diesen starren abgewinkelten Antennenteil besitzt. Auch habe ich den Eindruck, dass das Band etwas angenehmer auf der Haut zu tragen ist. Die Farbe (orange/grau) ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber es soll ja auch kein modischer Schnick-Schnack sein, sondern ein funktionelles Ausrüstungselement :>>
    Das Zweite, was positiv auffällt, ist das Display. Es lässt sich besser ablesen als das vom 305er und die Beleuchtung ist ebenfalls besser, ohne diesen Grünstich und lässt sich gut einstellen. Leider sind die Ladekontakte, wie auch schon beim 305er, eine Schwachstelle. Mal lässt er sich laden und Mal verweigert er sich, woran es liegen mag, kann ich noch nicht beurteilen und ich habe bisher auch noch keine anderen Berichte darüber gefunden. Vielleicht ist nur mein Device so stur, eventuell muss der Garmin-Service sich Mal mit dem Problem befassen ;) (Inzwischen wurde das Gerät von Garmin getauscht und siehe da, alles bestens).

    Die Einstellungen sind schnell gemacht und es gibt sogar einen Assistenten, der einen durch die Grundeinstellungen und vor allem die Anzeigefenster führt. Derer können vier Stück mit ein bis vier Anzeigefeldern konfiguriert werden. Die Anzeigeoptionen sind sehr vielfältig und können über eine Liste heraus gesucht werden. Das fünfte Anzeigefenster ist dem Virtual Partner vorbehalten, der einfach und schnell mittels Tastendruck im Anzeigefenster auf die jeweilige Pace eingestellt wird. Meine üblichen Einstellungen auf dem Hauptanzeigefenster sind Distanz, Herzfrequenz, durchschnittliche Pace auf dem gerade gelaufenen Kilometer und die Gesamtlaufzeit. Im zweiten Fenster habe ich GPS-Genauigkeit in Metern, Uhrzeit und momentane Pace. Im dritten wird mir die momentane Laufrichtung sowie die Meereshöhe (nach GPS und leider nicht barometrisch) angezeigt. Ob ich mehr wissen muss bei meinen Läufen, weiss ich im Moment nicht, allerdings habe ich bisher keine Information vermisst.

    Die nervigen Tasten- und Alarmtöne habe ich von Anfang an ausgeschaltet und lasse mir die jeweilig zu Ende gelaufene Runde mittels Vibration ankündigen. Dieses Feature ist etwas diskreter und zieht nicht sofort die gesamte Aufmerksamkeit aller Menschen auf mich. Die Druckpunkte der Bedienelemente sind wie beim 305er etwas schwammig und erfordern teilweise ordentlich Kraft, allerdings scheint die Verarbeitung etwas hochwertiger, vor allem das Oberflächenfinish.
    Die Gehäusedicke ist beim 305er und 310XT etwa gleich, allerdings fehlt der unergonomische Gehäuseknick beim 310XT, was ihn etwas "runder" erscheinen lässt. Die Reinigung ist ebenfalls etwas einfacher, nur unter fliessend Wasser und fertig, keine Angst, das ein Wasserschaden Garantieansprüche zunichte macht, wie einst beim 305er. Der 310XT hat inzwischen auch schon mehrere intensive Regenläufe schadlos überstanden, was beim 305er ja manchmal schon zu Defekten geführt hatte, wie zu lesen war.
    Der größte Vorteil des 310XT ist allerdings die Akkulaufzeit von 20 Stunden (lt. Garmin). Im Selbstversuch war allerdings nach 16 Stunden Schluss, was trotzdem fast doppelt so lange ist, wie beim 305er. Die reine Betriebszeit bei sportlicher Aktivität ist beim 405er sowieso schon kürzer als beim 305er, somit ist der 310XT in dieser Disziplin ganz klar siegreich.

    Das warm-up des 310XT nach dem Einschalten geht ungefähr genauso schnell, wie bei den Vorgängermodellen oder besser gesagt beim simultanen Vergleich konnte ich keinen Unterschied feststellen. Die Satelliten waren bei allen gleich schnell gefunden.

    Der neue Herzfrequenz-Gurt ist etwas angenehmer zu tragen, da nur noch der Transmitter selbst aus Kunststoff ist, damit schmiegt sich der Gurt wesentlich besser an die jeweilige Brust. Allerdings sind die Verstellösen weiterhin ein Manko, spätestens nach 10 Stunden Gesamtlaufzeit ist der Gurt um ein bis drei Zentimeter geweitet und bedarf einer Nachjustierung, damit er nicht rutscht.

    Die Datenübertragung beim 310XT mittels ANT-Stick auf den Mac respektive PC geht schnell und ohne großen Aufwand, was ja schon beim 405er einen Vorteil darstellte. Das USB-Kabel kann man damit getrost vergessen, bzw. es gibt ja keines mehr ;D
    Die jetzige Firmware des 310XT scheint auch weitestgehend stabil zu sein, nur wurden nicht alle Menüpunkte ins Deutsche übersetzt, so werde ich jedesmal bei Löschvorgängen auf Englisch gefragt ob ich wirklich "all activities deleten" will.

    Fazit

    Nach nun drei Monaten intensivem Gebrauch kann ich den 310XT getrost weiter empfehlen. Mein alter "neuer" 305er ist bereits wieder verkauft und ich bereue es nicht. Die Synchronisation mit Rubitrack und Ascent sowie GarminConnect funktioniert am Mac tadellos, was für mich eine Grundvoraussetzung darstellte. Verbesserungswürdig aus meiner Sicht wäre noch eine barometrische Höhenmessung in den 310XT zu integrieren, damit wäre dann der GPS-Fehler bei den Höhendaten ausgemerzt.

    Salut

  • Gemütliches Wochenende

    Nach dem schönen , aber auch anstrengenden Lauf von Freitag mit Sven, bin ich gestern nur lockere acht Kilometer ohne Zeit- und Herzfrequenzmessung durch die Weinberge gestreift um etwas Bewegung zu bekommen und an der frischen Luft zu regenerieren. Zu viel mehr war auch keine Zeit, da ich noch den Heckenschnitt vom Garten versorgen musste sowie Schaukel, Rutsche und Gartenmöbel winterfest einmotten musste. Gestern Abend war dann noch ein gemütlicher Abend mit etwas Rotwein und gutem Essen zum perfekten Wochenausklang, nach Erkältung und Terminstress, im Kreis der Familie angesagt.

    Heute am Vormittag war ich viel zu faul um mich auf die Piste zu begeben, also wurde der Schreibtisch aufgeräumt und viele Kleinigkeiten erledigt, da die nächste Woche wieder Mal voll mit abendlichen Terminen und Rufbereitschaften ist. Manche Dinge lassen sich dann nur an faulen Sonntagvormittagen erledigen. Die Kinder wollten unbedingt zur Oma und damit war klar, dass ich am Spätnachmittag frei war um einen etwas längeren Lauf zu unternehmen.

    Gegen 15.30 Uhr konnte ich dann starten, bei trübem und bewölktem Himmel bestand sogar die Chance auf etwas Regen, allerdings wurde ich diesbezüglich enttäuscht. Unentschlossen welche Strecke ich wählen sollte, lief ich erstmal ins Tal hinaus und musste wie üblich an Sonntagen ohne Regen einen Spaziergängerslalom durchführen um ans Ziel, also den Wald, zu kommen. Insbesondere in der Nähe von den bekannten Fresstempeln nahm die Dichte der gut genährten Sonntagswanderer zu. Jedoch brauchte es nur wenige Male ein kräftiges "Achtung" damit ich ausreichend Platz zum überholen hatte.
    Im Wald wurde es bereits dämmrig und auch still, keine Ausflügler, keine Spaziergänger, nur ein einzelner Mountainbiker kam mir entgegen. Immer noch unentschlossen, welche Runde ich nun nehmen soll, entschloss ich ganz spontan die circa zwanzig Kilometer-Runde etwas modifiziert anzugehen. Die Modifikation bezog sich auf einen geteerten Weg, den ich kurzerhand durch einen kleinen Crosstrail ersetzte. Es war einfach nur schön, im Zwielicht der hinter grauen Wolken versteckten und im untergehen begriffenen Sonne über die Feld- und Waldwege zu laufen. Keine Menschenseele weit und breit dann auf dem Schurwald, erst als ich einen kleinen Weiler durchquerte sah ich wieder Passanten, die - natürlich - gerade einen Fresstempel verliessen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass unsere Region bald nichts anderes mehr zu bieten hat, wie Wein und Gasthöfe ;D
    Nach 15 Kilometer liess ich den Wald hinter mir und lief im spärlichen Restlicht durch die Weinberge allmählich aber kontinuierlich abwärts. Nach knappen zwei Stunden war ich dann wieder zuhause und konnte mich entspannt und zufrieden in die Wanne legen, meine Kinder sind dann kurze zeit später auch eingetroffen, so dass wir uns gemeinsam zum Abendessen setzten.
    Jetzt sitze ich hier mit einem Espresso doppio und selbstgemachten Cantuccini und kann mich über ein ausklingendes , aber sehr gemütliches Wochenende freuen. In diesem Sinne

    Salut

    Sonntag20

  • Anstiege sind nicht überall gleich

    Nach meinem leichtsinnigen Angebot an Farmin Gorerunner mal einen Lauf zusammen durchzuziehen, waren wir uns schnell über einen Termin und Ort einig. Da ich Aussicht auf einen freien Freitagnachmittag hatte und sowieso nur noch 30 Kilometer bis zu seinem Laufrevier überwinden musste, haben wir uns für heute zu einem schönen "gemütlichen" Lauf verabredet. Meine derzeitige läuferische Verfassung ist etwas desolat, der letzte Lauf war am Samstag und eine Erkältung plus Terminstress hielt mich die ganze vergangene Woche vom Laufen ab. So waren die Voraussetzungen nicht die besten, aber es sollte ja ein gemütlicher Lauf mit gegenseitigem Kennenlernen durch den Nordschwarzwald werden ;D

    Mein Auto-Navi führte mich dann auf verschlungenen Wegen zum Heim von Sven, irgendwie hatte ich das Gefühl, höher kann es nicht mehr raufgehen und befürchtete fast schon einen Lauf, der ständig bergab führte. Aber ich hatte mich gehörig getäuscht. Als erstes muss ich aber ein Kompliment an Sven und seine Familie los werden, kein Fremdheitsgefühl, ganz im Gegenteil, ich fühlte mich wie ein alter Freund, es fühlte sich einfach nur vertraut an. Auch das Kindergeschrei war mir von zuhause absolut vertraut.
    Nach einem ersten Austausch von Freundlichkeiten und Laufinfos, waren wir dann schnell bereit zum Start, allerdings war meine Kleiderwahl etwas überstürzt am gestrigen Abend getroffen, deshalb war meine Jacke definitiv zu warm und die Handschuhe und Mütze konnte ich zurück lassen. Auf die Frage, ob wir eher Trails oder ordentliche Wege laufen, antwortet mir Sven: "man könne schon dreckig werden". Also wählte ich die niegelnagelneuen Trailschuhe, die mir meine Frau zum Geburtstag schenken will - man beachte das Futur :oops:
    Wie ich befürchtet habe, ging es erstmal bergab, nach den ersten Metern waren wir dann bereits auf einer Wiese mit massenhaft Schaf-Exkrementen und bogen Richtung Wald ab. Nach zwei Kilometern ging es dann zum ersten Mal zaghaft bergan auf einem wunderschönen Trail durch den Wald. Die ersten knackigen Anstiege liessen aber nicht lange auf sich warten und es war einfach nur herrlich anstrengend. Teilweise glitschige Steine und nasses Laub auf den Wegen erforderten einiges an Konzentration. Trotzdem unterhielten wir uns fast die ganze Wegstrecke über und tauschten uns über Ziele und Methoden aus, natürlich ging es fast ausschliesslich ums Laufen.

    Farmin

    Mancher Anstieg forderte mich schon ordentlich, denn das Profil (s.u.) war nicht das für mich gewohnte mit langen Anstiegen und nur ganz kurzen steilen Rampen. Im Gegenteil die Rampen waren steil und lang und teilweise war das Profil so heftig, dass ich Pausen brauchte, entweder lag es wirklich an der Steilheit oder ich hatte noch die Reste der Erkältung in den Knochen sitzen ;D
    Auf alle Fälle, kam ich ordentlich ins Schwitzen, wie man auf den Bildern hoffentlich auch sehen kann.

    Doc

    Aber das Beste stand mir ja noch bevor, der Anstieg bei Kilometer zehn und elf hatte es dann wirklich in sich, kein Trail, aber auf einer Forststrasse mit geschätzten maximalen 27-28% Steigung. Nach einem knappen Kilometer ging es dann auf einem Feldweg weiter und zum Schluss stand dann ein kurzer Trail auf eine Kuppe. Meine Oberschenkel brannten etwas, aber die Aussicht entschädigte für die Strapazen.

    TR4

    Der Lauf ging dann über einen Modellflugplatz mit dem extra für Sven frisch gemähten Gras wieder Richtung Wald, bergab konnten dann die Oberschenkelmuskeln wieder etwas ruhen und die Unterhaltung zwischen uns wurde locker fortgeführt. Das Laufende nach eineinhalb Stunden wurde mit einer Tasse Kaffee zelebriert. Danke, Sven, ich hoffe es war nicht das letzte Mal, dass wir zusammen gelaufen sind, es hat irre viel Spass gemacht und ich kann Dich sehr gut verstehen. Das Sightseeing durch Dein beneidenswertes Laufrevier war genial, obwohl das ständige auf und ab, mich schon etwas mürbe gemacht hat. Ach übrigens, Sven, den ursprünglich während des Laufes gefassten Gedanken bezüglich eines entsprechend anders lautenden Berichts auf meinem Blog, habe ich wieder fallen lassen :>

    Salut

    Knackige13

    Edit: Hier ist der Bericht von Sven zu finden.

  • Gemütlich

    Da ich mal wieder am Wochenende im Dienst bin, musste ich mich heute Mittag entscheiden, ob ich laufen gehe (?) oder den Garten gänzlich winterfest mache, da ich leider schon den Vormittag in der Klinik verbracht habe. Beides war bei Tageslicht nicht zu schaffen, da ich erst kurz vor halb drei zuhause war. Nach langen Überlegungen und absolut schwieriger Entscheidungsfindung entschloss ich mich bei herbstlicher Sonne und vielen dunklen Wolken am Horizont, schweren Herzens für den Lauf :>>

    Immer wenn ich Dienst habe, müssen die Strecken sehr sorgfältig ausgesucht werden, da ich ja möglichst schnell wieder zuhause bzw. beim Auto sein muss um rechtzeitig in die Klinik zu kommen. Also wählte ich heute den Rundkurs um mein zuhause. ich kann jederzeit den Lauf abbrechen und bin binnen 15 Minuten bergab am Auto. Der Telefonempfang ist auch bestens.

    Das anfänglich angeschlagene Tempo musste ich schon bald reduzieren und ich fühlte mich damit ganz wohl. An der langen Steigung durch die Weinberge spürte ich ein wenig das hohe Tempo und die Trailpassagen vom Donnerstag in den Oberschenkeln. Aber müde oder gar überlastet fühlten sie sich nicht an. Oben angekommen führte der Weg durch den Wald wieder etwas abwärts um dann wieder in die Weinberge zu münden und ich konnte den nächsten Anstieg in Angriff nehmen. Leider lag der Hang im Schatten und ich konnte erst wieder in die Sonne blinzeln, als ich oben am Bolzplatz ankam. Hier wehte allerdings ein sehr kühler Wind, so dass ich mich schnell weiter auf den Rundkurs begab. Vorbei an einer Ortschaft, ganz am Rand auf einem wunderschönen Schotterweg am Waldrand. Vorbildliche Hundehalter nahmen mich rechtzeitig wahr und riefen ihre folgsamen Vierbeiner zu sich, kein "der will nur spielen" und kein "der tut nix". Wieder im Wald sah ich ein Paar mit zwei wunderschönen Dalmatinern, da musste ich einfach anhalten und man kam sehr schnell ins Gespräch. Denn, wenn ich jemals wieder einen Hund halte, dann ein Dalmatiner oder ein Neufundländer. Ich weiss, zwei ganz unterschiedliche Charaktere, aber mit einem Neufundländer bin ich aufgewachsen und Dalmatiner sind einfach nur schön und grazil. Hm, ich glaube ich bin total abgeschweift...wo war ich, ach ja im Wald, wo sonst. Dort blieb ich auch bis auf die letzten drei Kilometer. Wieder in den Weinbergen verschwand die Sonne hinter nah am Horizont stehenden Wolken, die allerdings keinen Tropfen ihres kühlen Nass hergaben. Also hinab ins Tal und mit Freude unter die Dusche. Komischerweise wurde ich heute Nachmittag nicht einmal angerufen und konnte sogar nach dem Lauf noch etwas Ruhe geniessen. Jetzt noch ein Buch und der verdiente Schlaf kann kommen. Ein gemütlicher Lauf an einem hoffentlich gemütlichen Dienstwochenende ;D

    SalutGemütliche21

  • Unverhoffter Herbstlauf

    Nachdem ich gestern zwar bei starkem und böigem Wind in die Nacht gelaufen bin, allerdings nur ganz am Ende ein paar Regentröpfchen ab bekommen habe, war ich etwas enttäuscht und hatte den Lauf auch bereits abgekürzt. Die Hoffnung dann heute einen Lauf bei starkem Regen zu bekommen, war bereits am Morgen zunichte gemacht, denn der November zeigte sein freundlichstes Gesicht mit viel Sonne und Temperaturen bis 10°C, stetig wehte noch ein leichter Wind, der die 10°C relativierte, gefühlt war es demnach deutlich kälter.

    Eigentlich war der Nachmittag voll mit Terminen wegen privater Dinge, so dass ich schon früh die Arbeit ruhen liess. Nur der erste Termin konnte gehalten werden, die anderen zwei platzten wegen Krankheit, so dass ich kurz vor 15.00 Uhr voll gerüstet mit Laufklamotten zu einem wunderbaren Lauf durch den herbstlichen Wald und die Weinberge starten konnte. Seit langem habe ich Mal wieder die Kamera mitgenommen, deshalb ist der Lauf bebildert.
    Bereits auf dem ersten Kilometer wurde bei prallem Sonnenschein mein Kreislauf gefordert und ich durfte schon bald mein Tempo etwas anpassen, trotzdem lief es bei einer 5:20er Pace sehr gut. Nach starken vier Kilometern war die erste Rampe genommen und ich konnte den goldenen Wald auf Augenhöhe betrachten. Obwohl ich mich im Sonnenschatten befand war mir etwas zu warm.

    LL5111

    Auf dem nächsten Kilometer durchquerte ich einen Weiler, dessen wesentliche Wirtschaftskraft aus zwei Gasthöfen und einer Fischzucht besteht. Deshalb sind hier immer relativ viele Menschen unterwegs. Natürlich reizt auch der umliegende Wald Ausflügler, allerdings fahren die mit ihren Blechdosen fast bis in den Wald hinein. Mein Weg führte an einer mir inzwischen vertrauten Ziegenherde und an einem meist einsamen Esel vorbei, allerdings haben sich heute alle in die Sonne am Berghang begeben, so dass sich keine Gelegenheit für ein entsprechendes Bild ergab. Daneben war allerdings ein gutes Dutzend Kühe beim grasen zu beobachten.

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    Endlich erreichte ich nach sechs Kilometer den Wald, allerdings hörte ich schon von weitem, dass wieder Mal Forstarbeiten statt fanden. Überall Motorengeräusche und das laute Knacken und Knallen, wenn die Bäume stürzten. Ich entschloss mich daher heute einen anderen Weg als sonst üblich zu nehmen. Also bog ich bei stetig zunehmendem Lärmpegel nach links auf einen schmalen Trail ab, der steil den Hang hinaufführte. Oben angekommen mündete der Trail in einen zugewachsenen Weg, der nach einem starken Kilometer wieder auf den Querweg im Wald führte. Die Sonne schien die ganze Zeit zwischen dem lichten Blätterdach der Bäume hindurch und die Farben waren genau so, wie ich sie liebe.

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    Nach 9,5 Kilometern mündete der Waldweg auf eine viel befahrene Landstrasse, da ich keine Lust hatte mich der Gefahr des Seitenstreifens auszusetzen, schlug ich mich durch den Wald parallel zur Landstrasse. Wie man sehen kann kam ich nur sehr langsam voran, da ich immer wieder durch Klingen steigen musste und mit wilden Brombeerbüschen kämpfen musste. Die Dornen waren ziemlich fies.
    Die nächsten Kilometer führten mich vorbei an einem Pferdehof und wieder hinein in den Wald. Der Wind pfiff hier auf der Höhe ganz ordentlich, so dass ich leicht fröstelte und meine Mütze aufzog. Der Wald hier oben ist etwas düsterer, aber trotzdem war das Laufen auf dem mit goldenen Blättern vollständig bedeckten Boden sehr angenehm und sorgte für eine extra Dämpfung. Das Rascheln empfand ich als sehr beruhigend und ich fand sehr schnell wieder einen komfortablen Laufrhythmus.
    Bei Kilometer sechzehn verliess ich den Wald und vor mir tauchte die am Horizont stehende Sonne die Weinberge in ein herrliches Licht. Ich querte die Weinberge auf dem obersten Ring und die Sonne schien mir ins Gesicht.

    LL5114

    Es war fast schon ein magischer Moment, den ich bei dieser tollen Stimmung erleben durfte. Das frösteln sistierte augenblicklich und ich fühlte mich absolut wohl. Die Sonne wärmte nicht nur mein Gesicht, sie schien direkt in mein Gemüt, es war einfach unbeschreiblich schön. Die Farben der Weinblätter und das goldene Sonnenlicht harmonierten perfekt. So etwas kann kein Mensch erschaffen, das kann nur die Natur. Bevor ich die Höhe verliess drehte ich mich noch einmal um und fertigte ein kleines Panorama, ausnahmsweise gefällt es mir sogar, denn es bringt einen Teil der natürlichen Stimmung rüber.

    Pano_Weinberge

    Der Rest war unspektakulär und auch schnell vorbei. Zwei Kilometer hinunter und dann schnell nach Hause. Da der letzte Kilometer im Schatten lag, begann ich wieder zu frösteln und legte mich daheim angekommen, sofort in die heisse Wanne. Einfach herrlich, zwei Stunden mit vierhundert Höhenmetern und 21,5 Kilometern durch einen wunderschönen Herbsttag zu laufen. Da habe nicht einmal ich einen Regenguss vermisst ;D

    Salut

    Trail21

  • Vorfreude

    Regen in der Dämmerung

    Der wandernde Wind auf den Wegen
    War angefüllt mit süßem Laut,
    Der dämmernde rieselnde Regen
    War mit Verlangen feucht betaut.

    Das rinnende rauschende Wasser
    Berauschte verwirrend die Stimmen
    Der Träume, die blasser und blasser
    Im schwebenden Nebel verschwimmen.

    Der Wind in den wehenden Weiden,
    Am Wasser der wandernde Wind
    Berauschte die sehnenden Leiden,
    Die in der Dämmerung sind.

    Der Weg im dämmernden Wehen,
    Er führte zu keinem Ziel,
    Doch war er gut zu gehen
    Im Regen, der rieselnd fiel.

    Hugo von Hofmannsthal(1874 - 1929)

    Wenn ich jetzt gerade aus dem Fenster meines Arbeitszimmers schau, beginnt mein Bauch zu kribbeln und meine Herzfrequenz steigt stetig an. Draussen sehe ich den Regen auf den Boden peitschen, angetrieben von starken in Böen auftretenden Winden. Meine Hoffnung auf einen wunderschönen und hoffentlich auch zufriedenen Lauf bei diesem Wetter am Spätnachmittag wird mich heute den ganzen Tag begleiten. Schon am gestrigen Abend, als ich spät die Klinik verliess und diese Wetterbedingungen aufkommen sah und vom Wettermann im Radio die Ankündigung vernahm, begann ich unruhig mit den Füssen zu wedeln, was beim Autofahren leider nicht förderlich ist ;D
    Es wäre zu schön, das Wetter genau in diesem Moment zu konservieren und heute Abend die Büchse zu öffnen um diese Bedingungen zu geniessen, dennoch werde ich heute gespannt immer wieder aus dem Fenster schauen und hoffen, in diesem Sinne

    Salut

  • Mal wieder was Medizinisches

    Da ich gerade einen Vortrag vorbereite und in der Vergangenheit bereits einen ähnlichen Beitrag verfasst habe, wollte ich euch diese atuellen Erkenntnisse nicht vorenthalten, obwohl wir (Läufer) die Ergebnisse intuitiv sowieso wussten ;D

    Im wöchentlich erscheinenden Deutschen Ärzteblatt sind gerade drei Artikel erschienen, die sich mit Schlaganfallrisiko und Dickdarmkrebs und deren Beeinflussung durch regelmässigen Sport beschäftigen. Ich fand die Artikel allesamt interessant und insbesondere der Artikel von Reimers et al. zur Prophylaxe von Schlaganfall durch regelmässige Bewegung.
    So kommen die Autoren aufgrund eigener Untersuchungen zu folgendem Ergebnis:

    "Die Risikosenkung für zerebrovaskuläre Ereignisse liegt in der gleichen Größenordnung wie für die koronare Herzkrankheit: Das Risiko einer koronaren Herzkrankheit bei Männern, die sich in der Freizeit regelmäßig bewegen, liegt 24 % unter dem Risiko für Männer, die in der Freizeit körperlich inaktiv sind. Bei Frauen reduziert sich das Risiko analog um 23 %."
    Nach Reimers et al., Dtsch Arztebl Int 2009; 106(44): 715–21

    Diese Ergebnisse decken sich mit früheren Metaanalysen. Jedoch ist das Maß an Bewegung nicht einheitlich definiert, jedoch scheint mehr Bewegung auch mehr Benefit bezüglich Prävention zu bedingen (statistisch). Ich habe den Artikel als PDF in mein Archiv geladen, falls er online nicht mehr verfügbar sein sollte.

    Der zweite Artikel befasst sich mit der Primär- und Sekundärprävention von Dickdarmkrebs durch Sport.

    "Mehrere epidemiologische Untersuchungen und prospektive Kohortenstudien zeigten übereinstimmend ein vermindertes Risiko für die Entwicklung eines Kolonkarzinoms bei Männern und Frauen, die regelmäßig Sport treiben. (...) Die Autoren konnten zeigen, dass insbesondere bei Personen, die sich mehr als 7 Stunden pro Woche körperlich betätigten, das Kolonkarzinomrisiko um 40 % verringert war."
    Nach Halle et al., Dtsch Arztebl Int 2009; 106(44): 722–7

    Diese Erkenntnisse sind ebenfalls deckungsgleich mit Daten bei anderen Krebserkrankungen aus der Vergangenheit.

    Es scheint wirklich so, dass Ausdauersport nicht nur Wohlbefinden sondern auch langfristig Risikoreduktion für eine Vielzahl von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und auch Krebserkrankungen verschafft. Nachvollziehbar ist es für die Sportler sowieso, nur wie erreichen solche positiven Nachrichten die Mehrzahl der Couch-Potatoes? Leider stürzt sich die Boulevardpresse und die vielen Internet-News-Dienste nicht auf solch wissenschaftliche Daten und Nachrichten, das Warum bleibt mir verborgen. Ich jedenfalls fühle mich wohl in meiner Haut und bestätigt in meinem Tun.

    Salut

  • Akku leer und ich tu es trotzdem

    Die letzten zwei Wochen waren die Hölle, falls es denn eine geben sollte. Ich war immer wieder drauf und dran alles hin zu schmeissen und ich kann kaum noch in den Spiegel schauen. Warum? Der Job ist im Moment einfach der "overkill". Meine Freizeit minimierte sich auf wenig Familie und etwas Laufen, dazu kamen dann noch höchstens fünf bis sechs Stunden Schlaf, zack, war schon wieder ein Tag um. Leider hatte ich so viel um die Ohren, dass ich den Blog total vernachlässigt habe und auch kaum zum Lesen gekommen bin und ich befürchtete, dass es nicht wesentlich besser werden wird.

    Gerade dabei habe ich gemerkt, wie wichtig der Sport ist. Abendliche zehn Kilometer durch die Dunkelheit haben die verbleibenden Energiereserven wieder ein wenig aufgeladen und ich hielt durch. Gestern war dann der absolute Tiefpunkt erreicht und ich war am Überlegen, ob ich nicht einfach den Blog zumach und das Laufen erstmal aufgebe. Jedoch wollte ich mir heute die Chance auf einen entspannten längeren Lauf nicht nehmen und das war gut so.

    Losgelaufen bin ich mit einem absolut miesen Gefühl, Aggressionen ohne Ende und wenig Selbstvertrauen. Nichts desto trotz habe ich mich auf den ersten flachen Kilometern auf eine Wohlfühl-Pace von 5:40 Minuten pro Kilometer eingebremst. Auch war ich gezwungen den MP3-Player als Motivationsstütze mitzunehmen, denn ohne eine gewisse akustische Abschirmung hätte es nicht funktioniert, so dachte ich. Die ersten Kilometer führten mich auf dem Radweg in Richtung Osten, gegen einen ständig mich aufhalten wollenden Ostwind. So zogen die ersten zehn Kilometer dahin und meine Stimmung besserte sich deutlich, aber ohne, dass ich es wirklich wahrgenommen hätte. Ich war ständig am grübeln und am zweifeln. Sicherheitshalber hatte ich mit meiner Frau verabredet, dass sie mich eventuell unterwegs aufsammeln müsse, falls ich bemerken sollte, dass es nicht hinhaut. Ständig überlegte ich hin und her, ob ich in die nächste Ortschaft laufen sollte und meine Frau anrufen sollte. Wie gesagt, erst bei Kilometer elf bemerkte ich, dass die Stimmung besser als zu Beginn des Laufs war und es huschte die Andeutung eines Lächelns über mein Gesicht.
    Am Wendepunkt oder besser als ich den Rückweg auf der anderen Seite der Rems einschlug, begann ich Pläne zu schmieden. Nein, keine langfristigen, sondern nur für diesen Lauf. Ich beschloss doch noch eine Steigung in den Lauf zu integrieren und zwar eine, die ich noch nie gelaufen bin, allerdings aus verschiedenen MTB-Touren aus meiner Vergangenheit noch kannte. Ein kontinuierlich ansteigender Feldweg, teilweise schon ein Trail, der mich oben dann in die Weinberge führen sollte. Bereits die ersten Meter fühlten sich gut an und die Oberschenkel schrieen, dass sie mehr wollten, also zog es mich immer weiter hinauf. Die Sonne schien mir teilweise direkt von oben ins Gesicht und wärmte nicht nur die Haut, sondern auch die Sinne. Dieses knappen zwei Kilometer bergauf haben mich für vieles entschädigt. Noch selten habe ich meinen Körper so intensiv beim Laufen bemerkt, ich hatte das Gefühl, dass jede einzelne Muskelfaser in meinen Armen und Beinen jubelte und vor Erlösung noch mehr Kräfte freisetzte, es war atemberaubend. Keine Schmerzen, kein Zwicken trotz kurzer Rampen mit 25% Steigung. Das Tempo war sehr konstant und ich wollte gar nicht mehr aufhören.
    In den Weinbergen angekommen hielt ich erstmal inne, nicht zum Durchatmen, sondern zum Geniessen. Die Trauben sind gelesen und das Laub verfärbt, teilweise schon dürr. Das Tal lag vor mir und einzelne Sonnenstrahlen akzentuierten die herbstlichen Farben. Weinberge und Obstwiesen sowie der Schurwald auf der anderen Seite des Tals gaben ein vollkommenes Bild ab. All das konnte ich bei meinen Läufen in den letzten zwei Wochen nicht sehen, da sie immer in der Dunkelheit bei spärlichem Mondschein oder Stirnlampenlicht stattfinden mussten. Einfach nur herrlich, langsam setzte ich mich wieder in Bewegung und schlug meinen Weg talwärts ein. Es waren nicht viele Höhenmeter, aber sehr intensive, so mein Fazit B)

    Die heutigen 22 Kilometer haben mich wieder auf Spur gebracht und meine fast leeren Akkus beginnen sich wieder zu füllen. Es ist schön, dass ich dieses Gefühl beim heutigen Lauf gefunden habe und entschuldigt meine Emotionalität in diesem Beitrag, so bin ich normalerweise nicht. Selbstmitleid und anhaltende Unzufriedenheit waren mir sehr lange fremd und überrollten mich in den letzten Wochen etwas unvorbereitet.

    Zufriedene22

    Monatsrückblick Oktober 2009

    Im Oktober sind trotz verminderter Umfänge noch 237 Kilometer bei insgesamt 16 Läufen heraus gekommen. Die erlaufenen 4199 Höhenmeter (barometrisch gemessen) sind eher Mittelmass in meinen Monatsdurchschnitten und lassen, wie im Monat September, weiteren Spielraum nach oben. Ich hoffe für die verbleibenden Monate in diesem Jahr noch auf ein paar Höhenmeter zu kommen, um wenigstens einen 5000er Schnitt zu erreichen, allerdings ist das auch nicht so wichtig, Hauptsache ich finde weiterhin Kraft und Entspannung durch meine Läufe und kann mich wieder als Genussläufer identifizieren.

    Salut

  • Mühsam trotz guter Bedingungen

    Heute sollte ein schöner unangestrengter langer Lauf folgen, allerdings waren die eigenen Voraussetzungen etwas bescheiden. Gestern Abend bzw. Nacht bin ich bei Freunden und viel zu viel Rotwein verhockt und erst spät ins Bett gekommen, so war am Vormittag heute gar nicht ans Laufen zu denken. Zusätzlich habe ich heute Nacht einen extrem schmerzhaften Krampf in der linken Wade bekommen, der Muskelkrampf scheint im Musculus soleus gewesen zu sein, bzw. immer noch ein wenig. Sprich seit dem Krampf ist eine Verhärtung an der Kniekehle unten zu spüren, also unmittelbar am Muskelansatz des M.soleus, der Schmerz nimmt bei Streckung im Knie zu. Dieser Schmerz ist natürlich besonders unangenehm bei jedem Schritt den ich mach. Meine Liebste hat versucht die Verhärtung etwas weicher zu bekommen durch Massage, hat aber nur bedingt geholfen. So bin ich dann am frühen Nachmittag bei noch ganz leichtem Nieselregen losgezogen mit dem Vorsatz einen 30 plus Lauf sehr gemütlich durch zu ziehen.

    Bereits nach dem ersten Kilometer war allerdings klar, dass es heute nichts wird. Sowohl der Kreislauf (Rotwein geschädigt) als auch die linke Wade (Muskelverhärtung) haben mir klar zu verstehen gegeben, dass es heute einen kleinen Kampf geben könnte. Ich wollte aber wenigstens die Hälfte der Höhenmeter, die ich mir vorgenommen hatte laufen, also behielt ich erstmal die Marschroute bei. Langsamer aber stetiger Aufstieg durch die Weinberge. Ab Kilometer fünf hat der Regen vollends aufgehört und bei Kilometer acht kam die Sonne durch, ich hatte ausnahmsweise die Sonnenbrille zuhause gelassen, was sich nun rächte. Ich konnte kaum die Augen offen halten, da die Sonne bereits in einem sehr flachen Winkel vom Himmel schien.
    Kilometer sieben, acht und neun konnte ich fast vollständig im Wald laufen und der Anstieg war deshalb erträglich, da die bunte Vielfalt im Wald einfach beeindruckend ist und meine Sinne ablenkte. Nach Vollendung des zehnten Kilometers ging es das erste Mal nennenswert bergab, das wollte meine linke Wade nun gar nicht ertragen und muckte mit deutlich schmerzhaften Signalen auf, so dass ich mich sehr schnell wieder auf den nächsten Anstieg freute. Richtig schlimm wurde dann allerdings Kilometer 16, 17 und 18. Stetig und teilweise steil bergab, ich glaube, ich bin bergab noch nie so geschlichen und vor allem muss mein Laufstil absolut lächerlich gewesen sein.
    Unten angekommen beschloss ich den nächsten Anstieg, der ja dann wieder mit einem anschliessenden Abstieg verbunden gewesen wäre sein zu lassen, damit fällt eine sehr schöne Strecke durch den Wald mit annähernd 400 Höhenmeter auf knappen neun Kilometern weg. Ich schlich die letzten vier Kilometer auf quasi ebener Strecke nach Hause. Der Schmerz war erträglich, allerdings tanzte meine Herzfrequenz jenseits der 150 pro Minute und das schon seit knapp sieben Kilometer, was fast schon die 80% Marke bedeutete.
    Nach knappen 22 Kilometern und 500 Höhenmetern stand ich dann zuhause vor der Tür und beschloss den Lauf möglichst schnell abzuhaken. Nach einem Muskel-Vital-Bad ist der Muskelschmerz schon wieder etwas beruhigt und Morgen halt ich Mal den Ultraschall drauf, ob nicht doch ein Hämatom Ursache des Schmerzes und der Verhärtung sein könnte.

    Salut

    LL1810

  • Ein Gedicht von einem Lauf

    Wie soll ich den fast perfekten Lauf nach einem arbeits- und entscheidungsreichen Tag beschreiben? Ich empfinde es als sehr schwer, die jeweiligen Gefühle, Beobachtungen und selbst die Fakten hier nieder zu schreiben. Oft nimmt der Eintrag schon während des Laufs Gestalt an, heute war es nicht so, denn der Lauf selbst hatte mich so eingenommen, fast schon gefesselt und dass, obwohl es meine übliche und bestens bekannte 12 Kilometer Hausstrecke war.

    Meine Arbeitswoche war etwas weniger stressig, aber weiterhin kompensiere ich die Arbeit eines Kollegen, was viel Energie kostet und die Verantwortung ist manchmal fast zu gross. Trotzdem hat sich eine Entscheidung privater Natur ganz von selbst ergeben, die es mir leichter macht, mein gewohntes Leben wieder aufzunehmen und insbesondere beeinflusst sie auch meine weiteren beruflichen Ziele. Von daher bin ich eine grosse Last auf einen Schlag los geworden. Manchmal muss man es einfach laufen lassen...

    ...und genau das war mein Motto heute beim Laufen, einfach nur den Geist ausruhen und in meinem Wohlfühltempo laufen. Wie bestellt setzte bereits auf dem ersten Kilometer Regen ein, der Wind war stark und teilweise sehr böig und kam beständig von Nordwesten. Beste Voraussetzungen für totale Entspannung. Nachdem die ersten eisig kalten Tropfen mein Gesicht gestreichelt haben, setzte sich das übliche Lächeln um meinen Mund herum fest und ich glaube meine Augen haben zu leuchten begonnen. Pfützen und Matsch überall auf dem Weg durch abgeerntete Obstwiesen, ab und zu war noch der Duft von angegorenen Äpfeln wahr zu nehmen. In den Weinbergen nahm der Wind dann an Stärke nochmals zu und der Regen peitschte fast waagrecht auf mich ein, meist von vorn, aber vor allem auf meine rechte Körperhälfte, die inzwischen wesentlich mehr nass war als die linke.
    Nach starken fünf Kilometern betrat ich den Wald, der inzwischen einen Grossteil seines grünen Blätterdachs in rote und gelb-braune Farben eingetauscht hat. Der Waldweg ist bereits ordentlich mit Laub gepflastert und die eigenen Schritte sind kaum noch zu hören. Den Anstieg selbst, immerhin 180 Höhenmeter, habe ich kaum wahrgenommen. Dieses Gefühl, dass nicht die Natur um einen ist, sondern ich selbst ein Teil dieses Schauspiels bin, passiert mir nicht sehr oft, aber heute durfte ich es erleben. Erst als ein nervöser Buntspecht von mir aufgeschreckt wurde, war ich wieder gedanklich auf dem Waldweg, kurz danach querte ein Reh ganz unerschrocken und mit Gelassenheit den Weg, ich glaube es hat mich gar nicht wahr genommen B)
    Als ich den Wald wieder verliess hörte der Regen langsam wieder auf, hoch über mir schwebte ein Bussard, den ich kurze Zeit später stolz und aufrecht auf einem Begrenzungspfahl nur wenige Meter von mir entfernt sitzen sah. Ich bog dann wieder in die Weinberge ein und sofort war er wieder da, der Duft von reifen Trauben. Teilweise ist der Duft so stark, dass es schon unangenehm wird. Auf den letzten zwei Kilometern hörte der Regen ganz auf und der Himmel riss kurz auf. Die Sonne stand genau zwischen der Wolkendecke und dem Horizont und sie beleuchtete meine linke Körperhälfte, ich spürte ein warmes Streicheln in meinem Gesicht. Auf den letzten Metern frischte der Wind in Böen wieder auf und mir kam die "Geschichte des fliegenden Roberts" in den Sinn. Ich habe sie deshalb einfach mal unten dran gehängt.

    Dieser Lauf hatte nun wirklich von allem etwas, nur der Schnee hat noch gefehlt. Das Schönste allerdings war, dass ich keinem anderen Menschen begegnet bin und die Gedanken nur so geflossen sind. Es hat einfach alles gestimmt.

    Salut

    Die Geschichte vom fliegenden Robert

    Wenn der Regen niederbraust,
    wenn der Sturm das Feld durchsaust,
    bleiben Mädchen oder Buben
    hübsch daheim in ihren Stuben.
    Robert aber dachte: „Nein!
    Das muß draußen herrlich sein!“
    Und im Felde patschet er
    mit dem Regenschirm umher.

    Hui, wie pfeift der Sturm und keucht
    daß der Baum sich niederbeugt!
    Seht! Den Schirm erfasst der Wind,
    und der Robert fliegt geschwind
    durch die Luft so hoch und weit;
    niemand hört ihn, wenn er schreit.
    An die Wolken stößt er schon
    und der Hut fliegt auch davon.

    Schirm und Robert fliegen dort
    durch die Wolken immer fort.
    Und der Hut fliegt weit voran,
    Stößt zuletzt am Himmel an.
    Wo der Wind sie hingetragen,
    Ja! Das weiß kein Mensch zu sagen.

    Heinrich Hoffmann (aus: Der Struwwelpeter)

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